Lissabon, eine Stadt von der Freunde & Bekannte immer schwärmen und die daher schon länger auf unserer „möchte ich sehen“ Liste stand, konnten wir nun endlich mal besuchen. Unser Urteil fällt allerdings etwas anders aus, als wir erwartet hatten.
Fangen wir mit der Anreise an.
Anreise nach Lissabon

Die meisten Besucher kommen direkt eingeflogen: Der Flughafen Humberto Delgado liegt nur rund 7 km vom Zentrum entfernt und ist mit der roten Metrolinie in etwa 20 Minuten mit der Innenstadt verbunden, ganz ohne Shuttlebus oder Zug umsteigen zu müssen.
Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits in Spanien unterwegs und sind daher von Cáceres mit dem ALSA Fernbus in knapp 5 Stunden und 30 Euro pro Nase direkt nach Lissabon gefahren.
Lissabon hat zwei große Busbahnhöfe, wobei nur Sete Rios eine direkte U-Bahn Anbindung (Haltestelle Zoo) bietet. Wer keine Mitfahrgelegenheit hat und einen vollen Bus mit Gepäck vermeiden möchte, sollte lieber dort aussteigen.
Home Sweet Home im Airbnb Lissabon


Wir nahmen uns ganze 9 Tage Zeit, also eine ganze Weile, und es bot sich daher mal wieder an, in einer Ferienwohnung unterzukommen. Nach den letzten zwei Wochen in Hostels, mit dazu noch recht kleinen Zimmern und ohne Gemeinschaftsraum, wollten wir einfach mal wieder auf einer Couch relaxen, in der eigenen Küche entspannt frühstücken und wieder selbst kochen.
Eine eigene Küche ist immer eine willkommene Erholung für unser Tagesbudget, denn regelmäßig in Tapas Bars oder Restaurants essen zu gehen, kostet natürlich deutlich mehr als ein Einkauf auf dem Markt.
Berg auf, Berg ab durch die Altstadt

Kaum eine Stadt dürfte so viele Aussichtspunkte haben wie Lissabon mit seinen sieben Hügeln. Es geht ständig hoch und runter, und das Bummeln durch die einzelnen Viertel gleicht eher einem sportlichen Ausflug als einem gemütlichen Spaziergang.
Im Parque Eduardo VII, auf dem Foto zu sehen, steht man quasi in der Mitte und hat Downtown inklusive Schloss & Fluss gut im Blick. Der Weg dorthin, entlang der schönen und ewig langen Avenida da Liberdade, ist ebenfalls recht nett.
Wer sich das ständige Bergauf und Bergab sparen möchte, findet in der historischen Straßenbahnlinie 28 und den Standseilbahnen der Stadt eine bequeme Alternative, wenn auch meistens ziemlich überfüllt.
Kunstvolle Gehwege

In Portugal bzw. jeder ehemaligen portugiesischen Kolonie stechen einem besonders die schön gestalteten Gehwege direkt ins Auge. Calçada Portuguesa, schwarz weiße Pflastersteine, welche verschiedenste Motive in der ganzen Stadt abbilden.
Auch gut auf unseren Fotos aus der portugiesischen Altstadt in Macau zu sehen.
Kleine Nebenwirkung: Die Wege sind oft echt rutschig, und bei Regenwetter möchte ich sie lieber nicht erleben.
Streetart in Lissabon


Wandert man so durch die Gassen, wird man immer wieder auf hervorragende Straßenkunst stoßen. Besonders die Viertel Bairro Alto und Alfama sind voll davon.
Positiver Nebeneffekt dieser kleinen Meisterwerke: Bei der Suche nach weiteren Bildern läuft man durch Ecken, zu denen man sonst vielleicht erst gar nicht gekommen wäre.
Apropos Alfama: Das älteste Viertel der Stadt ist auch bekannt für seine Fado Musik, die abends aus so mancher kleinen Bar und Taverne klingt. Für ein authentisches Erlebnis lohnt sich eine Reservierung, spontan an der Tür zu stehen klappt in den bekannteren Lokalen eher selten.
Sehenswürdigkeiten in Lissabon?




Mit den klassischen Sehenswürdigkeiten konnten wir in Lissabon persönlich weniger anfangen als erwartet. Weder das Castelo de São Jorge, die alte maurische Burg über der Stadt, noch die Kathedrale hauen einen unbedingt um, so auch nicht die Innenstadt, in der vor allem renovierungsbedürftige Altbauten und unangenehme „Drogendealer“ auffallen.
Es ist eher die gesamte Stimmung, welche Lissabon recht speziell macht und für die man sich auch entsprechend Zeit nehmen sollte.

Wer also gut zu Fuß ist, sollte lieber die Finger von diesen nervigen Tuk Tuks in der Innenstadt lassen, alle Viertel in Ruhe zu Fuß erkunden und sich eine Tuk Tuk Fahrt für Länder wie Thailand aufheben.
Wer mehr Zeit mitbringt, kann von Lissabon aus außerdem einen Tagesausflug ins nahegelegene Sintra einplanen. Mit dem Zug ab Rossio dauert die Fahrt keine 45 Minuten, dort warten unter anderem der farbenfrohe Pena-Palast und die geheimnisvolle Quinta da Regaleira. An sonnigen Wochenenden ist dort allerdings ordentlich was los, ein früher Start lohnt sich.
Promenade entlang des Fluss Tejo




Am besten gefiel uns eigentlich die Gegend entlang des Fluss Tejo, mit dem gemütlichen Park am Torre de Belém und dem Aussichtsturm Padrão dos Descobrimentos. Auch hat man dort einen wunderschönen Blick auf die Ponte 25 de Abril und der Cristo Rei. Beides erinnert aber irgendwie auch sehr stark an San Francisco & Rio!
Gleich nebenan steht außerdem das Mosteiro dos Jerónimos, eines der bekanntesten UNESCO Welterbe Portugals und architektonisch schon einen Abstecher wert, auch wenn wir selbst eher Zeit am Fluss verbracht haben als in der Warteschlange davor.
Wer schon in Belém ist, sollte sich außerdem nicht die original Pastéis de Belém entgehen lassen, die berühmten Vorläufer der überall erhältlichen Pastéis de Nata.
Ein Bierchen im Bairro Alto
Ein Besuch vom Bairro Alto, dem Ausgehviertel Lissabons, sollte man sich für den späten Abend aufheben, wenn die ganzen kleinen Restaurants geöffnet und die Gassen sich mit Menschen füllen. Tagsüber ist der Stadtteil eher verlassen und auch relativ dreckig.
Witzig dabei: In ganz Lissabon hängt ständig und überall Wäsche an den Häusern, als würde es zur festen Deko der Stadt gehören, und dabei stört es auch nicht, wenn genau darunter die Leute in einem Restaurant sitzen.


Essen lässt sich in Lissabon übrigens recht gut und auch relativ günstig. Besonders bekannt und ein Gaumenschmaus sind die gegrillten Sardinen und ein Gericht aus Schweinefleisch mit Muscheln. Und zum Nachtisch darf ein portugiesischer Egg Tart natürlich nicht fehlen!

Wer den Weg zum Bairro Alto nicht selbst hochsteigen möchte, kann mit der wohl steilsten Straßenbahn der Stadt auch bequem hochfahren. Wobei bequem relativ ist, denn wie auch die bekannte Tram 28, welche quer durch die Stadt fährt, ist auch diese Bahn eigentlich immer zu voll. Da bevorzugen wir dann doch eher einen gemütlichen Spaziergang.
Es gibt sogar einen Aufzug, den Elevador de Santa Justa, welcher während unseres Besuchs aber leider komplett von einem Baugerüst verhüllt war. In letzter Zeit haben wir dieses Glück irgendwie fest gepachtet.
Beste Reisezeit für Lissabon
Lissabon hat ein mildes, mediterranes Klima mit atlantischem Einfluss, entsprechend heiß und trocken sind die Sommer und mild, aber regnerisch die Winter.
Am angenehmsten ist es im Frühjahr (April bis Juni) und Herbst (September/Oktober) mit Temperaturen um die 20 bis 25 Grad, ohne die drückende Hitze des Hochsommers, wenn es tagsüber auch mal auf über 30 Grad klettert.
Für einen Tagesausflug ins nahegelegene Sintra oder zu den Aussichtspunkten der Stadt solltet ihr das Wetter vorher checken, an verregneten Tagen macht beides deutlich weniger Spaß.
Unser Fazit
Recht überraschend waren wir von Lissabon irgendwie nicht sooo begeistert wie gedacht. Da sagen uns Städte wie Barcelona oder Sevilla im Nachbarland Spanien doch deutlich mehr zu.
Zu viele unattraktive und renovierungsbedürftige Gebäude und oft zu gewollt „alternativ“ wirkte einfach vieles hier auf uns. Sehenswert ja, aber in unsere Top10 schafft Lissabon es wohl nicht.
Wer nach der Hauptstadt noch mehr von Portugal sehen möchte: Im Norden lohnt sich ein Abstecher in unser Porto, und wer stattdessen lieber Richtung Süden an einen Strand möchte, dem sei unser Artikel zu Lagos an der Algarve empfohlen.
Hi, ich bin Oliver.
Auf Entdeckungstour im antiken Rom
Roadtrip Andalusien: von Ronda bis zur Costa del Sol
Viva Espana, auf Tapas Tour in Madrid
Fragen, Tipps, Kommentare? Gerne!