Mit dem Zug von Fès nach Marrakesch
Der Weg von Fès nach Marrakesch, immerhin knapp 600 km je nachdem welche Route man wählt, ist mit dem Zug am angenehmsten zu bewältigen. Bahnfahren genießt in Marokko einen sehr guten Ruf – es ist bequem und in Puncto Verkehrssicherheit die wohl beste Wahl. Schon gewusst? Marokko hat das modernste Bahnnetz Afrikas! Kein Vergleich mit den holprigen Bahnstrecken in Thailand, wo man ständig das Gefühl hat gleich aus den Gleisen zu springen… Die 1. Klasse bucht man eigentlich auch nur, da es in der 2. Klasse keine Sitzplatzreservierung gibt, was zu zweit bei einer Fahrzeit von satten 7 Stunden dann doch berücksichtigt werden sollte.

Riad direkt im Herzen von Marrakesch
In Marrakesch sollte es wieder etwas persönlicher werden – ein nettes kleines Hotel mitten im Trubel der Stadt. Nirgendwo ist mehr los als am berühmten Marktplatz Jemaa el-Fnaa. Das Hotel Cecil liegt in einer kleinen Seitengasse welche man zu Fuß selbst finden muss, denn Taxis dürfen ab einer bestimmten Zeit nicht mehr auf den Platz fahren. Alles aber kein Problem denn auch hier, entgegen einiger anderer Berichte und unseren Erwartungen, interessierte sich irgendwie keiner so richtig für uns und dank Google Maps war der Eingang zum Hotel auch schnell gefunden. Marokko ist im Vergleich mit Ländern wie z.B. Jordanien oder Tansania echt harmlos und Fortbewegen war – egal ob mit Bus, Taxi oder Bahn – bisher immer total stressfrei!
Auf der netten Dachterrasse des Hotels bekommt man schon beim Frühstück oder auch abends zum Sonnenuntergang immer einen Vorgeschmack auf das, was einem draußen am Jemaa el-Fnaa so erwartet. Die Geräuschkulisse ist schon recht einmalig! Tagsüber ein ständiges Getröte der ganzen Schlangenbeschwörer und abends wildes Trommeln verschiedener Musikgruppen.

Der Jemaa el-Fnaa
Fotos machen auf dem Platz ist allerdings eine Sache für sich. Kommt man den Schlangenbeschwörern zu nah, startet direkt eine Diskussion über den Geldbetrag welchen man gerne loswerden möchte. Selbes gilt auch für die Affenmenschen – warum manche Leute wohl Fotos mit Affen welche am Hals angekettet durch die Gegend gezerrt werden als Urlaubserinnerung haben möchten?!?! – und den Musikgruppen. Bei letzteren bekommt man nicht mal die Gelegenheit auch nur eine Minute zuzuhören ohne direkt nach Geld gefragt zu werden.
Ansonsten ist so viel am Jemaa el-Fnaa eigentlich gar nicht zu sehen!? Der Platz selbst ist nicht wirklich schön oder auch nur irgendwie so typisch orientalisch, wie man ihn sich eigentlich vorstellt. Er hat eher den Charme von nem Parkplatz, welcher halt ständig voll mit Menschen ist. Die Stände sind Wiederholungen von Wiederholungen. 80% verkaufen Orangensaft, die anderen 20% Nüsse und getrocknete Früchte. Gegen Abend kommen dann noch mobile Grillstände hinzu, wo vor allem Touristen sich an allerlei gegrillten und gekochten Innereien versuchen. Davon ausgenommen sind die Schneckenstände, dort sitzen fast nur Marokkaner welche genüsslich die Tierchen wegzuzeln.
Schön zu sehen war aber, dass die meisten anderen Darbietungen dann doch eher für die Locals waren. Spielchen wie Softdrinkfischen, Glücksspiele und einige Geschichtenerzähler, wo sich die Leute um eine mehr oder weniger hell leuchtende Lampe herum versammeln und aufmerksam lauschen & lachen.


Bummeln in den Souks
Ein weiteres Highlight von Marrakesch, die geschäftstüchtigen Souks. Wir bummelten täglich durch die Gassen und im Vergleich zu Fès hat man dort noch Luft zum Atmen und es geht auch deutlich gemütlicher zu. Die Gassen sind nicht zu eng, keine vorbeisausenden Eselkarren denen man ständig ausweichen muss und nur ab und zu mal nen Roller oder Fahrradfahrer, welche aber schon fast übervorsichtig um die Ecke rollen.
Wie überall in Marokko, warten auch in den Souks von Marrakesch wieder zahlreiche Katzen. Einfach unglaublich wie viele es hier echt an jeder Ecke gibt! Was so an Waren angeboten wird kann sich ebenfalls sehen lassen. Klar, viel typischer Tourikrams, wer aber seine Wohnung oder den eigenen Kleiderschrank etwas orientalischer haben möchte, ist in Marrakesch absolut richtig!


Marrakesch außerhalb der Souks
Schön an Marrakesch und irgendwie sehr beruhigend in dem Trubel der Stadt ist der Farbton der nicht zu hoch gebauten Häuser. Besonders die Gegend rund um das Bab Agnaou war recht einladend für einen längeren Spaziergang. Jede Menge Störche lassen sich dort beobachten, welche echt an jeder freien Mauer eines ihrer riesigen Nester haben!
Ein netter Ort für eine Teepause ist das Kasbah Café – schöne Dachterrasse und einfach super gemütlich zum Abhängen. Wer mal genug von den immer selben Tajine-Gerichten & Couscous hat – trotzdem aber nicht gleich die Bank für eines der schickeren internationalen Restaurants sprengen möchte – dem können wir noch das Bazaar Café (u.a. lecker frische Linsensuppe) und das Kui-Zin Restaurant (super Pastagerichte & Apple Crumble…) empfehlen. Beide innerhalb der Medina & einfach via Google Maps zu finden.







Fes – die älteste Königsstadt
Das islamische Opferfest ist ein Fest, welches man mit seiner Familie feiert. Entsprechend viele Marokkaner sind dann in alle Himmelsrichtungen unterwegs und besonders die Strecke zwischen Chefchaouen und Fes ist recht beliebt. Und man lernt an den Tagen alle möglichen Arten, wie sich ein Schaf transportieren lässt. Nicht unbedingt artgerecht, dafür aber sehr effizient: Es wurden bei einem Stopp z.B. mehrere Schafe in einen Kofferraum regelrecht gestopft. An der Bushaltestelle konnten wir beobachten, wie in dem Kofferraum eines Busses 2 Ziegen mit zusammen gebundenen Beinen hereingelegt wurden. Auf dem Dach eines anderen Busses lagen mehrere Schafe unter einem Netz. Dachte immer, Tiere sollte man nicht stressen bevor man sie schlachtet, sonst schmeckts nicht.


Die älteste der Königsstädte
Die Angebote von Taxifahrern innerhalb der CTM-Bushaltestelle sollte man ignorieren, da so gut wie jedes andere Taxi mindestens die Hälfte günstiger ist, oder sogar mit Meter fährt. Die CTM Bushaltestelle liegt in der Neustadt, die Medina auf der anderen Seite – dazwischen ist nicht viel, aber die Fahrt aufgrund des Verkehrs recht chaotisch. Orient pur.
Die größte Medina der Welt

Der Eingang zu den mehr als 7.000 Gassen der Medina und in nur wenige Minuten stehen die ersten Besucher vor den Tanneries, wo sich noch beobachten lässt, wie man Leder färbt und entsprechend bearbeitet. Die Tanneries riechen echt unangenehm, ein Blick von einer der Terrassen der Ledergeschäfte lohnt sich aber trotzdem.
Übrigens: Super aufdringlich oder gar aggressiv, wie oft erzählt wird, erlebten wir bisher echt keinen Händler oder Taxifahrer in Marokko! Alles recht entspannt und freundlich.
Die Wege der Medina sind schon sehr gewöhnungsbedürftig. Sie sind recht dunkel, ohne Ende staubig und oft sehr dreckig. Da werden auf kleinstem Raum – in manchen Gassen passt so gerade noch ein Eselskarren durch – die verschiedensten Dinge verkauft. Links ein Laden mit Kleidung, in der Mitte werden Hühner gehalten und verkauft, rechts daneben gibts Holzkohle und gegenüber sitzen die Leute an einem Teeladen oder Grill. Das Fleisch und andere Lebensmittel liegen offen und natürlich ungekühlt herum, zwischendurch bahnt sich ein Eselskarren den Weg durch die Menschenmenge. Also, absolute Reizüberflutung für alle Sinne, aber besonders für den Geruchssinn.

Das Opferfest
Geopfert wird zwar größtenteils ein Schaf, viele nutzen aber auch eine Ziege. Familien, welche es sich leisten können, nehmen auch gerne mal eine Kuh! Am Tag des Opferfestes stank die Stadt einfach abartig. An jeder Ecke lagen oder brannten die Überreste der Tiere. Die frisch abgezogene Haut und das Fell wurde gesammelt oder gammelte den ganzen Tag an irgendwelchen Stellen in der prallen Sonne vor sich hin – und ich spreche hier nicht von ein paar Tieren mal hier und da, sondern flächendeckend von zighundert.
Wir erlebten schon viele unterschiedliche religiöse Feste auf unserer Weltreise aber dieses kommt echt auf die Liste, welches ich zumindest so nicht erneut sehen möchte. Da aufgrund des Feiertages nun alle Geschäfte, Souks etc. geschlossen waren, blieb am Ende nicht viel von Fes zu sehen.

Essaouira – die kleine Hafenstadt
Als Abschluss für einen Marokko-Besuch lohnt sich noch ein Stopp in der kleinen und etwas verschlafenen Hafenstadt Essaouira. Viele vergleichen die Stadt auch mit Chefchaouen – der blauen Stadt im Rif Gebirge – welche ja ebenfalls sehr entspannt & ruhig daherkommt. Essaouira ist von Marrakesch absolut unkompliziert mit dem Bus von Supratours zu erreichen, die Fahrt dauert gerade mal 2,5 Stunden. Tickets vorab zu reservieren ist zu empfehlen, denn Essaouira ist ein recht beliebtes Ausflugsziel.

Die Altstadt von Essaouira ist umgeben von einer alten Stadtmauer welche direkt an den Atlantik grenzt und einen wunderbaren Blick auf das tosende Meer und einen hervorragenden Sonnenuntergang bietet. Fans der Serie Game of Thrones werden diese Stelle der Mauer sicherlich direkt wiedererkennen, da in Essaouira einige Szenen der Serie gedreht wurden!



Das schöne an Essaouira ist seine Gelassenheit im Vergleich mit den deutlich größeren Städten wie Marrakesch. Keinerlei aufdringliche Verkäufer und es macht einfach Spaß Gasse für Gasse mit all den kleinen Läden in Ruhe zu entdecken & durch deren Sortiment zu stöbern. Wobei ich ja echt kein Fan bin vom Handeln – etwas was in Marokko aber bei jedem Einkauf von Souvenirs absolut fester Bestandteil ist. Irgendwie fühle ich mich dabei so oder so immer über den Tisch gezogen und der Spaßfaktor liegt dann eher bei Null.
Dazu noch als kleine Warnung: Wer die tolle Idee hat, einen marokkanischen Babouche / Slipper als Souvenir mitzunehmen, der sollte VORHER mal dran schnüffeln! Die Teile geben einen echt ordentlich strengen Geruch ab – das bemerkten wir erst, nachdem auch alle T-Shirts im Rucksack diesen Geruch bereits angenommen hatten… Dann doch besser eine Flasche Arganöl – dem flüssigen marokkanischen Gold – mehr mitnehmen!




Jede Menge Köstlichkeiten
In Essaouira kannst Du es dir auch kulinarisch gut gehen lassen. Überall werden frisch gebackene Teilchen angeboten und in den Restaurants gibt es besonders viele Gerichte mit frischem Fisch, gegrillt oder in der typischen Tajine zubereitet. Besonders gut geschmeckt hat es uns im Café Safran, welches etwas versteckt auf einem kleinen Platz im zentralen Markt zu finden ist.


Ein kleiner aber feiner Hafen
Lohnenswert ist auch ein Spaziergang zum Hafen außerhalb der Stadtmauern. Dort kann man den Fischern noch beim Verkauf des Tagesfangs zusehen und einen netten Blick auf die weiße Stadt gibt es ebenfalls dazu. Zum Strand der Stadt ist es dann auch nicht mehr weit, wobei dieser eigentlich zu mehr als einem netten Spaziergang am Meer – wahlweise auf einem Kamel oder Quad – nicht wirklich taugt.





Hi, ich bin Oliver.
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